Auf Initiative des Elternbeirates der Tagesbildungsstätte (Tabi) des Christophorus-Werkes war in der vergangenen Woche Ina Korter zu Gast, um sich einen Eindruck von der Tabi und der Arbeit zu verschaffen, die dort geleistet wird. Ausschlaggebend für die Einladung durch den Elternbeirat war die Aussage von Kultusminister Bernd Busemann, Tagesbildungsstätten von nun an zu genehmigen, das Wort „Schule“ offizielle in ihrem Namen führen zu dürfen. Diese Äußerung Busemanns hatte für Aufregung bei einigen Schulleitern gesorgt, die sich aus diesem Grund hilfesuchend an die Grünenfraktion wandten. Daraufhin machten die Grünen eine Eingabe im niedersächsischen Landtag mit dem Schlagwort, die Förderschulen in Niedersachsen auflösen zu wollen. Birgit Kemmer, Mitglied im Elternbeirat der Tabi und der Grünenfraktion im Lingener Stadtrat initiierte daraufhin die Einladung ihrer Parteikollegin.

MdL Ina Korter ist bei den niedersächsischen Grünen zuständig für Schulpolitik und aus diesem Grund momentan viel unterwegs, um sich ihre Meinung auch vor Ort bilden zu können.
Politik muss immer auch ein Stück weit provozieren um zum Erfolg zu führen, und so ist die Aussage der Grünen, sie wollten die Förderschulen schließen auch als Provokation zu verstehen. Letztlich geht es Ina Korter eher darum, eine integrative Schulform zu entwickeln, die die Möglichkeiten einer Tagesbildungsstätte bzw. Förderschule Schwerpunkt geistige Entwicklung hat. Korter zeigte sich im Laufe ihres Besuches beeindruckt von den Möglichkeiten, die der Tabi in Lingen zur Verfügung stehen und die hier auch selbstverständlich genutzt werden.
In einem intensiven Gespräch mit dem erweiterten Elternrat der Tabi, Hermann Kiepe als Einrichtungsleiter und Claudia Dröge als seiner Vertreterin, konnte nicht nur die Grünenabgeordnete ihre Vorstellung einer optimalen Schule erklären, auch die Ängste und Bedenken der anwesenden Eltern wurden deutlich. Einhellig wurde festgestellt, dass mangelnde Integration auch ein gesellschaftliches Problem sei. Korter, die selber an einer Förderschule gearbeitet hat, musste Schulleiter Hermann Kiepe zustimmen, dass Integration zwar in Teilbereichen verordnet werden könne, dass es aber auch einen Wandel des gesellschaftlichen Denkens geben müsse, der nicht aufoktroyiert werden kann. Die alltäglichen Erfahrungen, von denen von Seiten des Elternbeirates erzählt wurde, bestätigten dies nur zu gut. Die Tatsache, dass die Grundschulklassen der Tabi mittlerweile seit sieben Jahren als Kooperationsklassen auf sechs verschiedene Lingener Grundschulen aufgeteilt sind, fand Ina Korter sehr positiv. „Der Grund für eine solche Kooperation gerade im Grundschulbereich ist der, dass die ‚normalen’ Kinder lernen können, dass es auch Kinder mit einem anderen Förderbedarf gibt“, stellte sie fest. In diesem Sinne sei man in Lingen schon mal auf dem richtigen Weg.