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Das Mehrgenerationenhaus entwickelt sich
Vernetzung aller Institutionen, Verbände und Vereine
Quelle: Gemeindebrief Ev.-luth. Kirchengemeinden Lingen (Kreuz-Johannes-Trinitatis) vom Ausgabe 5 3. Jahrgangn Juli/August/September 2007
Das Mehrgenerationenhaus (MGH) in Lingen. Wer kennt es? Wo steht es? Was bedeutet es? Die Redaktion führte ein Gespräch mit Silke Jansmann, Sozialpädagogin und Leiterin des MGH´s und Stefan Höge, Wohnbereichsleiter beim Christophorus-Werk:


Redaktion: Unter einem Mehrgenerationenhaus habe ich mir immer ein Haus vorgestellt, in dem mehrere Generationen miteinander leben?


Silke Jansmann: Früher verstand man darunter Wohneinheiten unter einem Dach. Heute ist es ein Treffpunkt für Generationen. Familienstrukturen verändern sich, die klassische Großfamilie tritt immer mehr in den Hintergrund. Wir wollen Anlaufstelle und Treffpunkt für Menschen verschiedenen Lebensalters sein.


Redaktion: Das heißt konkret?


Silke Jansmann: Jede Generation soll ihr Wissen, ihre Kompetenzen weitergeben an andere. Dazu bieten wir einen "Offenen Treff". Jeder ist herzlich eingeladen. Mittwochnachmittag bei Kaffee und Kuchen und Freitagvormittag beim Frühstück treffen Jung und Alt aufeinander. Ältere Personen erzählen über Spiele von früher oder über ihre Handarbeiten. Jeder kann ohne Anmeldung kommen. Kaffee und Kuchen kosten 1,50 Eure, jede weitere Tasse 50 Cent. Für das Frühstück nehmen wir 3,00 Euro.


Redaktion: Sie haben Kontakte zu älteren Personen und zu Müttern mit kleinen Kindern. Wie sprechen Sie die mittlere Generation an? Kommen die auch zum "Offenen Treff"?


Silke Jansmann: Das gelingt uns noch nicht, aber wir arbeiten daran! Einige ältere Personen kommen regelmäßig. Junge Eltern lernen uns über die Elternschule hier im Hause kennen. Es gibt weitere konkrete Ideen wie z. B. ein Blind-Date-Kochen oder einen Spieleabend.


Stefan Höge: Das Mehrgenerationenhaus wächst und entwickelt sich. Wer unsere Vorteile als Kind kennenlernt, wird auch als 40- oder 50jähriger in unser Haus kommen.


Redaktion: Was steckt hinter dem Mehrgenerationenhaus? Wer hat es "erfunden"?


Silke Jansmann: Das Mehrgenerationenhaus ist ein Projekt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Hier in Lingen hat es vier Träger: Bonifatiushospital, Christophorus-Werk, Katholische Erwachsenenbildung (KEB), Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Jeder Träger hat sein eigenes Netzwerk und wir verknüpfen diese.


Redaktion: Das sind alles katholische Institutionen. Wie sieht denn die ökumenische Zusammenarbeit aus, z. B. mit dem Diakonischen Werk, den evangelischen Gemeinden? Dort gibt es bereits Angebote, die Sie erst schaffen wollen!


Silke Jansmann: Das kan und soll und muss weiter ausgebaut werden. Es haben sich schon interessante Möglichkeiten der Zusammenarbeit ergeben. Geplant ist eine Vernetzung aller Institutionen, Vereine und Verbände.


Stefan Höge: Das Haus steht natürlich allen Personen offen. Die Ökumene ist gewollt. Und da sollen alle vorhandenen Strukturen genutzt werden, auch die der evangelischen Gemeinden.


Redaktion: Wie wird die Komponente des Christophorus-Werkes eingebracht?


Stefan Höge: Menschen mit Behinderungen sollen in die Gesellschaft integriert werden. Einmal im Monat - immer freitags - gibt es am Nachmittag einen Treff für Menschen mit und ohne Behinderung, mit und ohne psychische Erkrankung. Dieser wird von Mitarbeitern des Christophorus-Werkes geleitet. Das Angebot ist für alle Menschen zugänglich und auch hier ist keine Anmeldung erforderlich. Wir wollen Schwellenängste abbauen und das ganz bewusst außerhalb des Christophorus-Werkes. Zusätzlich zu dieser Kontaktpflege werden Freizeitangebote entwickelt.


Redaktion: Herr Höge, sind Sie als Ansprechpartner hier vor Ort?


Stefan Höge: Nicht täglich. Einmal wöchentlich biete ich eine Beratung für ambulante Hilfen und betreutes Wohnen an. Auch Menschen mit Behinderungen haben das Recht, zu Hause auszuziehen, sich abzunabeln vom Elternhaus. Und sie schaffen das. Wir wollen fördern und fordern und Assistenz leisten. Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Das gilt auch für Menschen mit Behinderungen.


Redaktion: Sie sind hier im zweiten Stock zu finden. Ihr jetziges Klientel - Mütter mit kleinen Kindern und Kinderwagen, Menschen mit Behinderungen und ältere Personen können Probleme mit den Treppen haben. Passt das zusammen?


Silke Jansmann: Ich bekomme häufig zu hören, wie schön, wie hell und freundlich hier alles gestaltet wurde. Aber ebenso häufig höre ich, dass man uns nicht so gut gefunden hat. Wir haben natürlich einen Aufzug. Und mittlerweile sind überall im Haus Wegweiser.


Stefan Höge: Die Unterbringung ist ein Übergang. Für die jetzigen Aktivitäten reicht der Platz aus. Es wird nach neuen Räumlichkeiten gesucht. Ebenerdig und barrierefrei.


Redaktion: Welche Aktivitäten gibt es denn sonst hier im Hause?


Silke Jansmann: Es gibt die Pekip-Gruppe für Eltern mit ihren Babies, die Eltern-Kind-Gruppe, Babysitterkurse, eine Fortbildung zur Gruppenleitung von Eltern-Kind-Gruppen, eine Ausbildung zur Tagesmutter, Beratungsangebote für pflegende Angehörige und zur Patientenverfügung und einmal wöchentlich einen Spieleverleih.
Geplant für den Herbst ist das Projekt: Jung hilft Alt. In Sachen Handy oder Internet können Patenschaften entstehen. Und hier kann die ältere Generation von der jüngeren viel lernen. Unsere Schülerjobbörse ist gut angelaufen. Wenn Sie jemanden brauchen, der Ihren Hund ausführt, der Ihnen das Unkraut jäten oder Ihr Auto wachen soll, so rufen Sie doch einfach bei uns an.


Redaktion: Schaffen Sie das allein?


Silke Jansmann: Ehrenamtliche und Freiwillige sind erwünscht und werden dringend gebraucht. Wir sind offen für jede Anregung, für jede Idee, für jedes Projekt udn für jede Mithilfe. Je konkreter die Bedürfnisse sind, desto konkretere Angebote lassen sich entwickeln. Das persönliche Gespräch ist mir deshalb sehr wichtig.


Redaktion: Da haben Sie sich aber viel vorgenommen!


Stefan Höge: Wir sin dauf dem Weg!


Redaktion Vielen Dank für das ausführliche Gespräch.


Öffnungszeiten des Mehrgenerationenhauses, Mühlentorstraße 21-23, 49808 Lingen

Mo, Di, Fr 08:30 bis 12:00 Uhr
Mi 15:00 bis 17:00 Uhr
Do 08:30 bis 14:30 Uhr

"Offener Treff" für Menschen mit und ohne Behinderung, mit und ohne psychische Erkrankung am Freitag, dem 6. Juli, 10. August und 07. September 2007, jeweils von 16:00 bis 18:00 Uhr.