Die Märchenmafia oder wie Hänsel und Gretel nach Berlin abhauen wollten
Begeistertes Klatschen und Johlen der Zuschauer war nach der Premiere von „Die Märchenmafia“ der Lohn für die jungen Schauspieler der Kooperations-Theater-AG des Franziskus-Gymnasiums und der Tagesbildungsstätte des Christophorus-Werkes. Die monatelangen Vorbereitungen hatten sich wirklich gelohnt und den Applaus hatten sie wirklich verdient.

„Die Märchenmafia“ ist kein fertiges Theaterstück gewesen und auch die Entstehungsgeschichte ist wohl nicht ganz alltäglich: In den ersten gemeinsamen AG-Stunden, die immer im Franziskus-Gymnasium stattfinden, durften sich die Schüler beider Schulen zunächst überlegen, was für eine Rolle sie gerne spielen würden. Als alle ihre Wünsche geäußert hatten, begannen Bärbel Brokjans und Gaby Lögers von der Tagesbildungsstätte gemeinsam mit Gesine Redenius-Hoppe vom Franziskus-Gymnasium ein Konzept für ein Stück zu entwickeln. Die Texte wurden schließlich in Zusammenarbeit mit den Schülern geschrieben. Heraus kam eine moderne Version des Grimmschen Märchens „Hänsel und Gretel“ – allerdings mit sehr aktuellen Zeitbezügen.

Gretel ist angenervt von der Strenge ihrer Eltern und haut mit ihrem Bruder Hänsel ab – mit dem ICE nach Berlin. Dort wollen sie die große weite Welt entdecken. Sie kommen aber nur bis zu einer Bank auf dem Bahnhofsgelände, auf der sie vor lauter Müdigkeit einschlafen. Im Traum begegnet ihnen ein junger Mann, der sich mit „Wolf“ vorstellt und sie zu einem Imbiss mitnimmt, in dem gerade die Jahreshauptversammlung der Märchenmafia stattfindet. Special guest des Abends sind „Sudoko-Motel“, deren Bandmitglieder starke Ähnlichkeiten zu Tokio-Hotel aufweisen. Ansonsten ist auf der Versammlung alles vertreten, was Rang und Namen im Märchen hat, von den Sieben Zwergen über Rumpelstilzchen bis hin zur bösen Königin aus Schneewittchen und dem Froschkönig. Auf der Versammlung geht es hoch her und zwischenzeitlich streiten sich der Wolf und die Hexe darum, wer in den Genuss von Hänsel und Gretel kommen dürfe. Irgendwann wachen die beiden jedoch glücklicherweise aus ihrem gemeinsamen Traum wieder auf und beschließen, nach Hause zurückzufahren, zu beängstigend war das erlebte für sie.

„Die Märchenmafia“ zeichnet sich durch viel Wortwitz und eine große Schlagfertigkeit der beteiligten Charaktere aus. Zusätzlich dazu wird mit viel Musik gearbeitet, die von Schülern und Lehrern gemeinsam ausgesucht wurde und durch die neue, von der Lingener Bürgerstiftung gesponserte Musik- und Verstärkeranlage, erstmals wesentlich besser eingespielt werden konnte. Schon während der Aufführung gingen die Zuschauer richtig mit und beim Auftritt von Sudoko-Motel hatte man den Eindruck, auf einem Live-Konzert zu sein und nicht bei einem Theaterstück – die Stimmung auf der Bühne schwappte problemlos auf die Zuschauer über und sorgte für ausgelassene Stimmung.

Auffallend waren auch die abwechslungsreiche und schöne Bühnendekoration sowie die farbenfrohen, lustigen Kostüme, die allesamt von Schülern der Tagesbildungsstätte oder in den Werkstattbereichen des Christophorus-Werkes hergestellt worden waren. Ein wirklich gelungener Nachmittag. Wie gut, dass es noch weitere Schulaufführungen geben wird, damit sich die Arbeit richtig gelohnt hat und die jungen Schauspieler beider Schulen sich noch ordentlich Applaus abholen können.