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BBW: Perspektiven für junge Menschen
Tag der offenen Tür am Sonntag
Quelle: Lingener Tagespost vom 23. April 2007
"Das Berufsbildungswerk (BBW) ist für viele Jugendliche oftmals die einzige Chance auf eine Ausbildung und einen Berufsabschluss", fasste Klaus van Kampen, der leiter des BBW, dessen Bedeutung zusammen. Am Sonntag konnten alle Interessierten beim "Tag der offenen Tür" Einblicke in die verschiedenen Bereiche des BBW bekommen.


Von Berufen im Garten- und Landschaftsbereich über Hauswirtschaft, Tischler-, Maler und Kfz-Lackierhandwerke bis hin zu Berufen im Metall- und Maschinenbereich bietet das BBW eine Vielzahl von Möglichkeiten, lernbehinderten Jugendlichen eine berufliche Perspektive zu schaffen. "Das Besondere hier ist", so Ausbildungsleiter Andreas Gaida, "dass wir für den ganz normalen Arbeitsmarkt ausbilden." Rund 350 Jugendliche im Alter von 16 bis 23 Jahren besuchen zurzeit in einer der drei Angebotssparten das BBW. Hierzu zählen die Berufsorientierung, in der die Jugendlichen ausprobieren könne, welcher Beruf sie interessiert, die elmonatige Berufsvorbereitung und schließlich die dreijährige Berufsausbildung mit anerkannten Abschluss. Was hier produziert wird, wird normalerweise auch gebraucht - ein zusätzlicher Motivationsschub für die Auszubildenden. Mitbringen müssen diese Pünktlichkeit, eine gute Arbeitsverfassung, Durchhaltevermögen und Eigenständigkeit sowie gutes Benehmen.


Außer Schwierigkeiten vor allem in Mathe und Deutsch weisen einige Jugendliche des BBW soziale Auffälligkeiten oder das AD(H)S-Syndrom auf. In besonderen Fällen können die Jugendlichen einen Platz im Internat bekommen wie gegenwärtig 220 von ihnen. Sie werden individuell nach einem Förderplan betreut, der dem Betreuungsbedarf des Jugendlichen angepasst wird. Die jungen Leute leben in zwölfköpfigen Gruppen zusammen, auf Einzel- und Doppelzimmer verteilt. "Sie bekommen ein Budget, mit dem sie sich versorgen müssen", erklärte Georg Kruse, Direktor des Christophorus-Werkes, das neue pädagogische Konzept.


Ina Hartholt, Leiterin des Internats, verwies auf die Bedeutung des Freizeitangebotes: "Viele Jugendliche wissen gar nicht, wie sie ihre Freizeit gestalten sollen." Außerdem hätten sie Probleme, Kontakte zu knüpfen. Hier helfe das breite Sport- und Spielangebot. Beim Ausgleich der individuellen Schwächen im Lernstoff unterstützt die lernhilfe. Für die Interessen der Auszubildenden tritt die Teilnehmervertretung ein.


Das BBW hat einen großen Einzugsbereich, da die anderen der 52 deutschen Berufsbildungswerke erst in weiterer Entfernung angesiedelt sind. Integrationsberater Leo Langenhorst hält daher Kontakt zu vielen Praktikumsfirmen im Einzugsgebiet sowie zur Arbeitsagentur. "Die Vermittlung an den Arbeitsmarkt spielt eine sehr gewichtige Rolle", erklärt er. Von den Abgängern 2006 stünden momentan knapp 44 Prozent in Arbeit. Die Arbeitsagentur finanziert den Besuch des BBW. Für besonders fleißige Jungendliche bieten sich Zusatzqualifikationen.


Lisa Apel ist sehr zufrieden mit ihrer hauswirtschaftlichen Ausbildung. Warum ausgerechnet dieser Beruf, das weiß sie auch: "Er ist sauberer als andere." Ihre Kollegin Desiree Berens findet es toll, wenn sie alle zusammen das Selbstgekochte essen.