Arbeiten im Kreislauf der Natur
Beim Projekt des Christophorus-Werkes mit Biogärtner Manfred Grote bauen Behinderte Gemüse an
Quelle: Kirchenbote vom 22. April 2007
Vor sieben Jahren hat das Lingener Christophorus-Werk Hof Vaal in Schapen erworben. In Zusammenarbeit mit dem Biogärtner Manfred Grote kann nun das erste Gemüse geerntet werden. Im Sommer sollen dort behinderte Menschen einen Arbeitsplatz finden.
Salat und die ersten Radieschen können inzwischen schon geerntet werden. Seit März darf das Gemüse vom historischen Hof Vaal auch unter dem Bioland-Siegel vermarktet werden. "Unser Hof und die Produktion sind dafür von einem unabhängigen Institut überprüft worden", erklärt Manfred Grote, der seit 20 Jahren biologischen Anbau betreibt.
Die Arbeit mit behinderen Menschen ist dagegen Neuland für den Biogärtner. "Es war ein Glücksfall, dass wir Herrn Grote kennengelernt haben", sagt der Geschäftsführer des Christophorus-Werkes, Georg Kruse. Hof Vaal solle in Zukunft Außenstelle der Behindertenwerkstatt sein. "Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung werden dringend gebraucht", sagt Kruse. Bei Bedarf könnten im Obergeschoss des frisch restaurierten Bauernhauses sogar bis zu zwölf Menschen wohnen, ergänzt er.
Zuvor musste der Hof allerdings renoviert werden. "Bioanbau bedeutet, im Kreislauf der Natur zu arbeiten. Dieser Kreislauf sollte auch im Aufbau des Hofes erkennbar sein", sagt Manfred Grote. Praktisch bedeute der Gemüseanbau nach den Biolandvorschriften, dass rein organisch gedüngt werden, Pestizide vermieden und Tierhaltung flächenabhängig sei, erklärt der Biogärtner. "Die chemische Keule würde nämlich Löcher in den Kreislauf bringen", sagt er. Die zukünftigen Arbeiter der Behindertenwerkstatt würden hier an der frischen Luft arbeiten können und viel Verantwortung lernen, ergänzt Georg Kruse.
Der Blick fällt schon an der Hofeinfahrt auf die Produktions- und Erntestätte, die 3000 Quadratmeter Anbaufläche unter Dach und die dahintergelegenen 20 Hektar Land, die es zu bewirtschaften gilt. "Bis Ende 2008 werden es sogar 40 Hektar sein" sagt Manfred Grote, der aber bereits in diesem Jahr unter anderem "sieben bis acht Tonnen Tomaten und bis zu sechstausend Gurken" ernten will. "Wir sind in der Produktion von Null auf Hundert gestartet", erklärt er. Außerdem wird es unter anderem Kartoffeln, mehrere Salatsorten und Radieschen geben. Rechts neben der Produktions- und Erntetstation steht die Halle, in der das Gemüse dann gewaschen, aufbereitet und bis zum Verkauf auf Märkten gelagert wird. "Ein Teil der Produktion geht auch in die Küche des Christophorus-Werkes", sagt Georg Kruse. Das Gemüse, so versichert er lächelnd, schmecke hervorragend. Die Kleinbusse, die das friche Biogemüse zum Verkauf abholen, können zum Verladen bis in die Halle vorfahren, bevor sie wieder durch die Toreinfahrt hinausfahren, um es auf den Verkaufsständen zu verteilen. "Und so schließt sich der Kreis", erklärt Grote.
Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten werden einige Menschen der Behindertenwerkstatt des Christophorus-Werkes die Arbeit auf dem Hof aufnehmen. "Zur Eingewöhnung könnten sie erst einmal ein Praktikum machen", sagt der Geschäftsführer Kruse. Auf lange Sicht hofft er auf eine umfassende Integration. "Und die soll sich auch auf den Ort Schapen beziehen", formuliert er als Ziel. Die offizielle Einweihung im Sommer wird die erste Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen sein.
Termine
An folgenden Stellen kann das Biogemüse von Hof Vaal erworben werden.
- mittwochs und samstags von 7 Uhr bis 12.30 Uhr auf dem Markt in Nordhorn und freitags von 14 bis 18 Uhr auf dem Bad Bentheimer Markt
- ab dem Sommer (genauer Termin steht noch nicht fest) freitags von 08.30 Uhr bis 11.30 Uhr direkt am Hof Vaal an der Borkener Straße 3 in Schapen.