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Behinderte bauen Biogemüse an
Projekt des Christophorus-Werks und des Landwirts Manfred Grote in Schapen
Quelle: Grafschafter Nachrichten vom 2. März 2007
Wochenmarktbesucher in Bad Bentheim und Nordhorn kennen Manfred Grote und seinen Stand mit Bio-Gemüse. Seit zwei Jahren bereitet der Biogärtner ein ehrgeiziges Projekt in Zusammenarbeit mit dem Lingener Christophorus-Werk vor: Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung im Ökolandbau.


Ob es regnet oder schneit: der Mann lacht bei jedem Wetter. Kunden, die Manfred Grote kennen, wissen seinen unverwüstlichen Humor zu schätzen. Außerdem stimmt die Qualität seiner Ware, und das ist bei Gemüse aus biologischem Anbau wohl ganz besonders wichtig. Bisher hat Grote auf seinem Biobauernhof in Lingen-Estringen gewirtschaftet. Den hat er jedoch inzwischen aufgelöst, weil der Pachtvertrag zum Ende letzten Jahres ausgelaufen ist. Mehr zufällig erhielt er während seiner Umorientierungsphase ein Angebot des Christophorus-Werkes Lingen, ob er zusammen mit Behinderten Gemüse auf dem alten Hof Vaal in Schapen anbauen wolle. "Das war ein absoluter Glücksfall für mich", sagt Grote rückblickend.


2001 hat das Christophorus-Werk den historischen Hof in Schapen mit rund 20 Hektar Land übernommen und die Flächen zuerst verpachtet. In einem ersten Schritt nahm man fünf Hektar zur Bewirtschaftung aus der Pacht heraus. 2005 wurden die Flächen still gelegt und im Jahr darauf Kleegras eingesät - damit erfolgte die Umstellung. Wenn die Ökokontrollstelle einwilligt, darf das Gemüse vom Hof Vaal ab März mit dem offiziellen Bioland-Siegel vermarktet werden. "Sonst läuft der Betrieb noch ein Jahr auf Umstellung", so Grote, der jedoch ganz zuversichtlich ist, dass es mit dem Bioland-Verfahren schon jetzt klappt.


Zum Hof gehören 3000 Quadratmeter Anbaufläche unter Dach. In den Gewächshäusern stehen die ersten Salatpflanzen, in Kürze werden sich Tomaten, Auberginen und Paprika dazu gesellen. Allein rund sieben- bis achttausend Tonnen Tomaten will Manfred Grote in diesem Jahr ernten, zirka vier Tonnen Schlangengurken und um die anderthalb Tonnen Zucchini. Seine Stammkunden auf den Grafschafter Märkten bedient Grote zurzeit unter anderem mit Beständen aus Estringen, die schon im neuen Kühlhaus auf dem Hof Vaal lagern.


Auch seitens des Christophorus-Werkes ist man froh über die Zusammenarbeit mit dem Gemüsebauern. "Wir standen in der Situation, uns zu erweitern. Die Fallzahlen steigen und der Bedarf an Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung wächst", berichten die Geschäftsführer Georg Kruse und Holger Waldmann. Vor zehn Jahren hatte das Christophorus-Werk die aus dem 19. Jahrhundert stammende und unter Denkmalschutz stehende Gebäudeanlage der ehemaligen Hüberts'schen Handelsschule in Schapen umgebaut und damit 45 Betreuungsplätze für Behinderte geschaffen.


Mit dem aktuellen Projekt hofft man, in den kommenden zwei Jahren bis zu 24 Menschen mit geistiger Behinderung auf dem Hof Vaal im Biolandbau beschäftigen zu können. Die Idee soll außerdem - bei entsprechender Nachfrage - um den Faktor Wohnen ausgedehnt werden. "Vom Platz her ist das möglich für bis zu zwölf Menschen, die hier ambulant betreut werden könnten und zugleich ihren Arbeitsplatz auf dem Hof hätten", so Geschäftsführer Kruse.


Doch vorerst steht das Thema Arbeit im Vordergrund. Sobald der Hofumbau komplett abgeschlossen ist, sollen die ersten Menschen mit Behinderung hier eingesetzt werden. Das Arbeitsspektrum reicht vom Pflanzen, Pflegen, Ernten über die Aufarbeitung zum Verkauf und schließlich die Vermarktung des Gemüses. Außerdem sollen die rund 600 Mitarbeiter des Christophorus-Werkes Gemüsekisten ordern können, auch die Werkskantine in Lingen beliefert, und ab Mai ein Hofladen in Schapen betrieben werden. Auch Tierhaltung ist geplant, unter anderem Hühner, "damit der Bereich 'Verantwortung übernehmen' ebenfalls abgedeckt wird", so Grote.


Der Biobauer ist schon gespannt auf die Zusammenarbeit mit den Behinderten und auf das, was möglich ist. "Viele sagen zwar, dass die Arbeit mit Behinderten ganz anders aussieht, doch was das konkret bedeutet, muss ich selber erfahren", sagt er. Auf jeden Fall wird der Biobauer in Zukunft gemeinsam mit Behinderten auf den Grafschafter Wochenmärkten Gemüse aus biologischem Anbau verkaufen. Heute wird er in Bad Bentheim auf dem Markt und am Sonnabend in Nordhorn mit frisch gedruckten Flyern auf das Projekt aufmerksam machen.