Von Bileam und Bartimäus
Fünf Gruppen zeigen in der Lingener Maria-Königin-Kirche Ausstellungen zu bibilischen Figuren
Quelle: Kirchenbote vom 19. November 2006
Was haben biblische Figuren wie Stephanus, bileam oder der blinde Bartimäus mit jungen Menschen von heute zu tun? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Ausstellung in der Lingener Kirche Maria Königin.
Das Projekt heißt "Der Mensch vor Gottes Angesicht" und ist im Dekanatsjugendbüro Lingen in Zusammenarbeit mit dem evangelichen Jugendbüro entstanden.
Jugendliche können mit der Bibel oft nicht viel anfangen. Sie verbinden das Buch mit "frommen Geschichten", die sie nichts angehen und mit dem Alltag nichts zu tun haben. Das gilt auch für Personen der Bibel. Deshalb kam der Dekanatsjugendreferent Holger Berentzen auf die Idee, biblische Personen mit der Lebenswelt junger Menschen zusammenzubringen. "Mir ging es darum, zu zeigen, dass die Bibel kein verstaubtes Buch ist, sondern mit heute viel zu tun hat und viele Bezüge zu dem Leben junger Menschen hat", sagt er.
Die Projektteilnehmer sollten eine Figur aus der Bibel für sich finden, ihre Biographie schreiben und überlegen, was die Person für sie bedeutet und eine konkrete plastische Darstellung gestalten.
Fünf Gruppen beteiligen sich an dem Projekt. Die Lingener Marienschule beschäftigt sich mit Maria und die Fachschule St. Franziskus mit David. Das Dekanatsjugendteam hat sich den Stephanus vorgenommen, den jungen Leute laut Berentzen vielleicht hauptsächlich mit dem Begriff "Stephanus-Steinigen" verbinden: einer Party am zweiten Weihnachtstag. Die Gruppe möchte herausfinden, wer dieser Märtyrer war. Die evangelischen Jugendlichen haben sich für den weniger bekannten Bileam aus dem Alten Testament entdeckt, und eine Freizeitgruppe des Familienentlastenden Dienstes des Christophorus-Werkes hat sich den blinden Bartimäus vorgenommen.
Diese zehn jungen Menschen, die in der Werkstatt arbeiten, haben sich um einen Tisch versammelt. Sie haben sich mit der Frage beschäftigt, was wäre, wenn Jesus zu ihnen käme und sie von ihrer Behinderung befreien würde. Sie rollten eine Tapetenbahn auseinander, auf der sie ihre Gedanken aufgeschrieben haben. "Ich weißicht, wie ich das finden würde. Großartig, wenn es das geben würde." Diese Sätze stammen von Andreas. Philipp ist "fasziniert von dem Wunder". Er möchte "geheilt" werden, um den Führerschein machen zu können. Aber es kommt nicht nur der Wunsch nach Heilung zum Ausdruck. Steffis Gefühle sind zwiespältig: "Ich habe Angst, was danach alles passiert, wenn plötzlich alles anders wäre."
"Mit den einzelnen Zitaten hat sich die Gruppe lange beschäftigt", erzählt Gruppenleiterin Christine Brockhaus. Si hätte lieber eine biblische Figur gewählt, die nicht dem Klischee der Randfigur entspricht, aber die Gruppe hat sich für Philipps Vorschlag für den Blinden entschieden. Nachdem sie sich mit dem Thema schriftlich auseinander gesetzt haben, haben sie Gipsmasken angefertigt. Damit zeigen sie, dass jeder Mensch anders ist.
Die Ausstellung "Der Mensch vor Gottes Angesicht" wird am 18. November um 16 Uhr in der Kirche Maria Königin in Lingen mit der Theaterinszenierung zum Thema Entscheidungen der Gruppe KIT B. & JFK eröffnet und ist zwei Wochen zu sehen.