"Wir sind keine Außerirdischen"
Aktionstag: Menschen mit Behinderung brauchen kein Mitleid, sondern ein Miteinander
Quelle: Lingener Tagespost vom 5. Mai 2006
PAPENBURG. Mit einer eindrucksvollen, fröhlichen, aber auch nachdenklich stimmenden Kundgebung ist gestern in Papenburg der europaweite Tag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung begangen worden.
Die Veranstaltung unter dem Motto "Eure Hände - Unsere Hände - Gemeinsam anfassen" wurde organisiert vom St.-Vitus-Werk in Meppen, dem Christophorus-Werk in Lingen und dem St.-Lukas-Heim in Papenburg als Gastgeber. Für den reibungslosen Ablauf sorgte die Vorsitzende des Gesamtelternrates, Elisabeth Pohlmann.
Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen machten deutlich, dass es bei allen Fortschritten im Umgang mit so genannten "Nichtbehinderten" immer noch Defizite gebe. Eine Rollstuhlfahrerin sagte, sie habe manchmal den Eindruck, "als Außerirdische" betrachtet zu werden. "Aber das sind wir nicht." Auch mitleidige Blicke seien völlig fehl am Platz. Vielmehr gehörten zu einem guten Miteinander ein respektvoller Umgang und eine helfende Hand.
Dies stellte auch Pastor Gerrit Weusthof heraus. Er forderte noch mehr Werkstattplätze für Menschen mit Behinderungen. "Das müssen wir uns leisten", so der Pfarrer. Bei allem Ringen um mehr Geld sollte nach seiner Meinung aber nicht vergessen werden, dass ein Lächeln und ein gutes Wort "von Mensch zu Mensch" zuweilen weit mehr Positives bewegen könnten als jede finanzielle Zuwendung.
Landrat Hermann Bröring wies darauf hin, dass "niemand vor einer Behinderung zum Beispiel durch Unfall oder Krankheit gefeit" sei. In Deutschland gebe es 6,7 Millonenen Menschen mit Behinderung, 38 000 allein im Emsland. Für diese werde im Rahmen der Möglichkeiten schon viel getan. Er dankte in diesem Zusammenhang den zahlreichen Vereinen, Verbänden und Ehrenamtlichen, die sich für ihre Mitmenschen einsetzten. Besonders hob er die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Uschi Mersmann, und den Behindertenbeirat hervor. Darüber hinaus erfülle der Kreis die Verpflichtung zur Einstellung von Menschen mit Behinderungen weit über das geforderte Maß hinaus. "Behinderte brauchen weder Mitleid noch Überbetreuung, sondern Anerkennung als vollwertige Menschen", so der Landrat.
Zu einem Tag der "Begegnung, der Freude und des Aufmerksammachens" hatte Bürgermeister Ulrich Nehe bei seiner Begrüßung eingeladen. Dank der musikalischen Mitwirkung der Wohnheimband, der Heilerziehungspflegeschule und der Tagesbildungsstätte wurde er das auch.