"Inneres Leuchten" und Spiel mit Farben
Kreative Aktion mit Teilnehmern aus dem Christophorus-Werk in der Lingener Kunsthalle
Quelle: Lingener Tagespost vom 5. November 2005
von Elisabeth Tondera
Kann man Farben essen oder sich gar an ihnen satt essen? Ein merkwürdige anmutende Frage, und doch war sie ernst gemeint. Erwachsene Kunstschulteilnehmer/innen aus dem Christophorus-Werk wurden in die Kunsthalle eingeladen, um sich mit der aktuellen Ausstellung "Inneres Leuchten - Farbe als Malerei" kreativ auseinander zu setzen.
Zunächst wurden die zwölf Teilnehmer mit Farben als Gestaltungsmaterial im klassischen Sinne konfrontiert. In der Aktionsgalerie der Kunsthalle konnten sie sich drei verschiedenen Farbräumen zuordnen und drei alte Matratzen farblich gestalten. Einige suchten sich ihre Lieblingsfarbe aus, andere ließen sich von ihrer Stimmung oder von ganz praktischen Überlegungen leiten. "Ich habe heute rote Klamotten an, dann male ich auch rot, und dann sieht man nicht wenn ich mich bekleckere", meinte eine von ihnen.
In dieser Phase konnten sie im Grundton des Farbraumes die Farben nach Belieben mischen, um möglichst viele Nuancen zu bekommen. Wie sie die Matratzen bemalten, blieb ihrer Fantasie und Kreativität überlassen.
Das anschließende Farberlebnis und der Höhepunkt der ganzen Aktion hatte schon etwas mit der Eingangsfrage zu tun. Die Dozentinnen hatten obst in verschiedenen Farben mitgebracht, und die Teilnehmer suchten sich ihre Lieblingsstücke aus. Damit gingen sie in die Ausstellung, wo sie in dem mittleren Raum das Obst den Farbbildern von Gotthard Grupner zuordnen sollten.
Hier gab es für sie einen doppelten Wiedererkennungseffekt: Sie erkannten die Farben wieder, mit denen sie kurz vorher gearbeitet hatten, und entdeckten, dass die Bilder an den Wänden aus Stoff bestehen, wie die soeben von ihnen bemalten Matratzen.
Bei dem Zuordnen der Obstteile bewiesen die Teilnehmer große Sensibilität. Sie erkannten die feinsten Farbnuancen und hatten große Freude daran, die Kiwi unter das schlammgrüne, Bananen unter das gelbe, die Aubergine unter das violette Bild usw. zu legen.
Nach dem Erlebnis kräftiger Farben waren zarte Pastellfarben dran, mit denen Gartenkissen bemalt wurden. Dann konnten alle noch ein wenig individuell arbeiten und eigene Bilder malen. Eine riesige Geburtstagstorte entstand dabei neben freien Farbkompositionen und anderen Motiven.
Kann man sich an Farben satt essen? Eigentlich nicht. Aber satt essen? Diese Frage konnte zum Abschluss der Aktion positiv beantwortet werden. Das Obst, das so ästhetisch die Kunst Graupners ergänzte, wurde am Ende gemeinsam verspeist.
"Es war ein sehr schöner Nachmittag und eine sehr intensive Auseinandersetzung mit unserem Thema", stelle Kunstschulleiterin Christel Grundewaldt-Rohde fest. Diese Intensität könne nur mit einer kleinen Gruppe erreicht werden. "Dank einer Spende der Lingener Bürgerstiftung konnten die zwölf Teilnehmer mit drei Betreuerinnen arbeiten, und das ist ideal", sagte sie.