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"Kind" fühlt sich wohl in der Frühförderung
In der Einrichtung des Christophorus-Werkes in Lingen spielen, spüren und lernen Kinder
Quelle: Lingener Tagespost vom 1. Oktober 2005
Mit kräftig aufgeblasenen Backen pusten Mädchen und Jungen in ein Bassin mit Styroporflocken, um zu schauen, ob sich nicht doch noch ein Fischchen in dem Behältnis findet. Mit Hilfe einer kurzen Angel, an deren Schnurende ein kleiner Magnet verknotet ist, versucht einer der Jungen einen bunten Fisch "zu heben". Bereits mit dem zweiten Versuch kann man ihm "Petri Heil" wünschen, und triumphierend zeigt der Kleine seinen Fang.


Das Erste, was dem Besucher der Einrichtung für "Frühförderung und Entwicklungsberatung" des Christophorus-Werkes auffällt, sind die vielen Farben an den Wänden und Türen des Hauses. Eifriges Fußgetrappel und "in die Hände klatschen" zeugen davon, dass hinter den Türen der einzelnen Zimmer die Kinder mit Freude bei der Sache sind. "Spielen, Spüren, Lernen" sind denn auch die drei Oberbegriffe, unter denen sich Alois Börgel, als Leiter der Frühförderung mit weiteren zehn Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen der Heilpädagogik, Logopädie, der Ergotherapie, der Psychomotorik und der Psychologie um das Wohl ihrer Schützlinge bemühen.


Auf die Frage, wann Eltern in Betracht ziehen sollten, ihr Kind in die Obhut der Frühförderung zu geben, antwortete Börgel: "Wenn Kinder durch eine schwierige Schwangerschaft oder Geburt belastet sind, sich nicht altersgemäß entwickeln oder auffällige Verhaltensweisen zeigen, kann man in der Frühförderung und Entwicklungsberatung Antworten und Hilfestellungen erhalten."


Wie der Name schon sage, könne und solle die Frühförderung so früh wie möglich beginnen. Spielerisch und zwanglos würden hier Entwicklungsanregungen für Wahrnehmung, Bewegung, Spiel, Sprache und Verhalten gegeben. "Was die Förderung als solches angeht, sind wir natürlich völlig flexibel. Sie kann im Elternhaus des Kindes, im Kindergarten oder hier bei uns in der Frühförderung stattfinden", erklärt Börgel und ergänzt: "Ob Einzelförderung oder Gruppentherapie hängt ganz von der Auffälligkeit des Kindes ab."


Auf die Frage unserer Zeitung, wie es außerhalb der bereits eingangs genannten Probleme zum Beispiel zu Sprach- und Verhaltensauffälligkeiten kommen könne und ob das auch ein Problem sei, das insbesondere in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zugenommen habe, antwortete der Leiter: "Wir vermuten, dass es auch durch eine einseitige Kommunikation, beispielsweise durch zu viel Fernsehkonsum, zu Sprachproblemen kommen kann." Das seien negative Einflüsse, die natürlich bei der Entwicklung eines Kindes eine große Rolle spielten.


Bevor Eltern ihr Kind bei der Frühförderung und Entwicklungsberatung anmelden können, muss eine ärztliche Stellungnahme erfolgt sein. Daneben werden die Eltern über Stärken und Schwächen des Kindes seitens der Frühförderung befragt, die dann mit einer Heilpädagogischen Befundaufnahme unter anderem ihre Anfangsbeobachtungen hinsichtlich des sozial-emotionalen Verhaltens, der Sprache und Motorik des Kindes aufnehmen. Danach stehe einer Betreuung des Kindes durch die Frühförderung nichts mehr im Wege.


Mittlerweile sind die Fische in Vergessenheit geraten und stattdessen werden mit einem Strohhalm große Luftblasen in einem Wasserglas erzeugt. Die Mädchen und Jungen linsen von einem zum anderen, um zu gucken, wer denn nun die größten Blasen macht. Es spritzt und Wasser benetzt die Gesichter der Kinder, was diese natürlich zum Lachen bringt und übermütig werden lässt. Kurz bevor "Land unter" ausgerufen werden muss, schreiten die Betreuerinnen, wenn auch mit einem unterdrückten Lachen, ein. "Kind" fühlt sich wohl in der Frühförderung - man kann es hören und sehen.