Bestes spielerisches Miteinander
Neue Theaterproduktion des Franziskusgymnasiums und Christophorus-Werk
Quelle: Lingener Tagespost vom 25. Juli 2005
Was macht gutes Theater von Kindern für Kinder aus? Es muss vor allem sowohl den Zuschauern als auch den Akteuren Spaß bereiten. Die gemeinsame Theater-AG der Tagesbildungsstätte des Christophorus-Werkes und des Franziskusgymnasiums hat bereits mehrere Produktionen auf die Bühne gebracht, die dieses Kriterium erfüllen.
Das gilt auch für das neue, pfiffig inszenierte Stück „Prinz oder Liebe“, das in mehreren Aufführungen in der Aula des Franziskusgymnasiums zu sehen war.
Im Zentrum der Geschichte steht Prinzessin Pfiffigunde, die heiraten soll, damit die Regierungskrise im Königreich beendet wird. Der König ist amtsmüde, ihn interessieren nur seine Sterne.
Vergeblich erinnert ihn die energische Königin immer wieder an seine Pflichten – er starrt dauernd durch das Fernrohr in den Himmel. Also wird ein Mann für die Prinzessin gesucht. An passenden Bewerbern mangelt es nicht. Leider kann keiner der Prinzen Pfiffigundes Bedingungen erfüllen.
Das bekannte Märchenmotiv von vielen Heiratsbewerbern und einer wählerischen Prinzessin erfährt in dieser Geschichte eine besondere Variante. Pfiffigunde ist ein modernes Mädchen, das mitten im Leben steht. Sie hält sich nicht gerne im Palast auf, sondern ist lieber mit der Clique unterwegs, fährt mit ihrem Freund Motorrad und tanzt in der Disco.
Aber sie hat nicht nur Vergnügungen im Kopf. Wie ihr Name verrät, ist sie pfiffig und kommt in schwierigen Situationen zurecht. Mit Hilfe ihrer Freunde schafft sie sich die ungeeigneten Kandidaten vom Hals und bleibt dennoch nicht alleine. Ihr Freund ist zwar kein Prinz, aber das „bisschen Regieren“ traut er sich durchaus zu.
Überzeugend ist die Spielfreude, mit der die große Gruppe der gemischten Theater-AG unter der Leitung von Gesine Redenius-Hoppe (Franziskusgymnasium) und Bärbel Brokjans (Tagesbildungsstätte) das Stück präsentiert. Die Spieler/innen mit und ohne Behinderungen übernehmen die Aufgaben, die sie meistern könne und zeigen, wie gut eine kreative Zusammenarbeit funktioniert.
Kinder aus fünften Klassen des Franziskusgymnasiums und Schüler/innen der Klasse 11 der Tagesbildungsstätte haben im spielerischen Miteinander eine bewegte, abwechslungsreiche, fröhliche, in jeder Hinsicht sehenswerte Aufführung auf die Bühne gebracht. Überraschend ist das Aufeinandertreffen der verschiedenen Welten – Märchen und moderne Jugendkultur prallen aufeinander und vermischen sich am Ende.
Die leuchtenden, farbigen, einprägsamen Bilder der Bühne, die Kostüme, die eindringlichen Bewegungen, die Sprache sind dem jeweiligen Genre angepasst. Die Hofdamen trippeln anmutig und kichern, die Clique der Prinzessin gibt sich cool. Die zu den wechselnden Bildern passende Musik – höfisch, rockig usw. – rundet die Inszenierung ab.
Die fantasievolle Bühnenlösung – die einfachen, von den Schüler/innen der Tagesbildungsstätte angefertigten Kulissen und Requisiten werden nach Bedarf hineingetragen und wieder weggebracht – machen einen schnellen Szenenwechsel möglich, so dass die Zuschauer ein pausenloses Vergnügen haben.