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Die rote Kugel der Farbenkönige mitten im Blauland
Faszinierendes Theaterspiel als Höhepunkt der Kooperation von Wilhelm Berning-Schule und Christophorus-Werk
Quelle: Lingener Tagespost vom 19. Juli 2005
Geschmackvoll zusammengestellte Stoffbahnen in unterschiedlichen Blauschattierungen bilden die Bühnenkulisse in der Turnhalle der Wilhelm-Berning-Schule. Das Bühnenbild harmoniert mit den blauen Kostümen der Darsteller/innen. Friedlich und harmonisch geht es im Blauland zu.


Es ist aber auch eintönig. Immer nur blau zu sehen und die gleichen Spiele zu spielen, ist auf Dauer langweilig. Doch wie so oft im Leben, merken es die Blauländer selbst gar nicht. Sie sind mit ihrem Los so lange zufrieden, bis einige von ihnen mitbekommen, dass es noch andere Farben außer Blau gibt. Die rote Kugel, die ihnen die Farbenkönige zuwerfen, lässt Unruhe und Sehnsucht aufkommen. Und sie spaltet die Blauländer.


Mit dem Theaterstück „Kennt ihr Blauland?“ verabschieden sich die beiden vierten Klassen von ihrer Grundschule und bringen gleichzeitig ihre besondere Situation zum Ausdruck. In dieser Geschichte, in der es um die Geborgenheit eines einfachen Lebens und den Wunsch nach Veränderung, aber auch um die Angst vor Veränderung und dem Anderssein, um Ausgrenzung und erneute Annährung geht, spielen Schülerinnen und Schüler zum Teil das, was sie im Alltag erleben.


Dieses gemeinsame Projekt ist der Abschluss der ersten Kooperationsklasse in LIngen Mit der gemeinsamen Einschulung der Vorstufenklasse (erste Klasse) der Tagesbildungsstätte des Christophorus-Werkes und der ersten Klasse der Wilhelm-Berning-Schule im August 2001 begann die kooperative Beschulung von Schülern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Lingen.


"Inzwischen gibt es fünf Kooperationsklassen an Lingener Schulen, die das Konzept `Lernen unter einem Dach´ erfolgreich umsetzen", verkündet stolz Hermann Kiepe, Leiter der Tagesbildungsstätte.


Maria Tebbe, Leiterin der Wilhelm-Berning Schule, ist froh, dass ihre Schule sich auf das Experiment eingelassen hat. "Die Erfahrung, die unsere Schüler in den vier Jahren mit Kindern aus der Klasse 4a gemacht haben, sind unschätzbar", sagt sie. Die Arbeit an dem Theaterstück sei nach vielen anderen gemeinsamen Projekten der absolute Höhepunkt gewesen. "Das hat sie richtig zusammengeschweißt", meint Frau Tebbe.


Was sie damit meint, wird deutlich, wenn man erlebt, wie die Kinder mit und ohne Behinderungen auf der Bühne agieren. Sie übernehmen die Aufgaben, die sie gut können, unterstützen einander und bringen ihre spezifischen Begabungen in das Spiel ein. Unter der Leitung von Hildergard Tellmann (Tagesbildungsstätte des Christophorus-Werkes) ist ein Bühnenstück entwickelt worden, das den Akteuren und den Zuschauern eine Stunde unbeschwerten Theaterspaß beschert.


Mit einfachen Mitteln sind wirkungsvolle szenische Bilder und akustische Effekte entstanden. Die einfache Geschichte von den Blauländern, die sich dadurch verändern, weil mehr Farbe in ihr leben kommt, braucht nicht viel Sprache, um verstanden zu werden.


Bewegung, choreografische Elemente, verschiedene Geräusche, der Einsatz von Orff-Instrumenten, passende Musikauswahl, Gesang, rhythmisches Speil und spielerisch verwandelte Alltagshandlungen bringen Abwechslung und Komik in das Stück.


Die Bühnenkulisse und die schlichten Kostüme, die durch ihre Farbigkeit überzeugen, verfehlen nicht ihre Wirkung. "Bund ist in", verkünden die Kinder fröhlich und treffen damit "ins Schwarze".