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Bode: Können von Behinderten vieles lernen
Großer Aktionstag in Stad Lingen
Quelle: Lingener Tagespost vom 6. Mai 2005
Die Autos stauten sich am Mittwochvormittag auf der Lindenstraße in Lingen in beträchtlicher Länge. So hatten die Pkw-Fahrer Zeit genug, die Transparente der zahlreichen Menschen, die an ihren Fahrzeugen vorbeizogen, zu lesen. „Ein behinderter Mensch kann dir verdeutlichen, dass auch du nicht vollkommen bist“, stand auf einem geschrieben. Rund 1000 Behinderte und ihre Angehörigen aus dem Emsland nahmen an dem Aktionstag, dem Europäischen Protesttag für die Gleichstellung der Menschen mit Behinderung, teil. Das Motto hieß „Leben in Würde“.


Was heißt das? „Ich sitze im Rollstuhl und freue mich über jedes ´Hallo`“, nannte eine behinderte Frau ein einfaches Beispiel.


In drei Demonstrationszügen hatten sich die Teilnehmer aus Lingen, Meppen und Papenburg mit ihren großen Behinderteneinrichtungen dem Neuen Rathaus im Stadtzentrum genähert, wo die Kundgebung stattfand. Prominentester Teilnehmer war Bischof Franz-Josef Bode.


Im Namen der Organisatoren machte Agnes Elsen aus Lingen deutlich, was Angehörige und Behinderte unter einem „Leben in Würde“ verstehen. „Jeder Mensch hat von Gott einen einzigartigen wert. Darum darf kein Mensch zum ´Fall´, zur ´Behinderung´ oder zur ´Krankheit´ werden.


Wer Behinderte ausgrenzt, der grenzt sich selbst aus, indem er eine wertvolle Erfahrung nicht macht: „Das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung stellt für jeden eine Bereicherung dar, es stärkt die Persönlichkeit aller“, betonte Lingens Erste Bürgermeisterin Ursula Ramelow.


Er staune immer wieder über die Lebensfreude und Echtheit behinderter Menschen, über ihre Kraft, das eigene Leben so anzunehmen, wie es sei, meinte Bischof Franz-Josef Bode. Er wolle das Leid Behinderter weder verharmlosen noch verherrlichen, hob Bode hervor. Oft würden behinderte Menschen schmerzhaft Ausgrenzungen zu spüren bekommen. In einer Welt, die von dem perfekten Menschen träume und den Behinderten zum „Schadensfall“ werde lasse, sei es die Aufgabe eines jedes Einzelnen, „dass Behinderte unbehinderte mit uns ihr Leben und ihren Glauben teilen können“. Bode bezeichnete Behinderte mit einem Wort des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. als „besondere Zeugen der Nähe Gottes, von denen wir vieles lernen können“.


Behinderte bräuchten weder Mitleid noch eine Überbetreuung, erklärte Landrat Hermann Bröring. „Was sie brauchen, ist eine partnerschaftliche Anerkennung als vollwertige Menschen“, unterstrich Bröring unter dem Beifall der Teilnehmer. In diesem Sinne werde sich der Kreis weiter engagieren. Der Landrat sprach allen Vereinen und Verbänden, die sich um die Integration Behinderter bemühen, seinen Dank aus. Bröring hob besonders die Arbeit von Ursula Mersmann hervor, die sich als Behindertenbeauftragte des Kreises enorm für deren Belange einsetzte.


Das nicht nur die Einstellung zu Behinderten eine Barriere darstellen kann, sondern auch Treppenstufen etc., machte Walter Teckert, Behindertenbeauftragter der Stadt Meppen, deutlich. Auch Bewegungsfreiheit gehöre zur Würde des Menschen, betonte Teckert.