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Behinderte leisten bei den Maltesern ganze Arbeit
Jürgen Pott und Thomas Krieger werden voll akzeptiert
Quelle: Lingener Tagespost vom 23.04.2005
Lingen (pe)
Jeder Handgriff sitzt. Vorsichtig lagern Jürgen Pott und Thomas Krieger die „schwer verletzte“ Motorradfahrerin auf die Trage. Sie liegt auf dem Parkplatz hinter dem Gebäude des Malteser-Hilfsdienstes (MHD) an der Lengericher Straße in Lingen. Das Ganze ist eine Übung. „Gut gemacht“, heißt es anschließend in der Besprechung. Jürgen und Thomas sind behindert, arbeiten tagsüber im Lingener Christophoruswerk. Und sie sind Malteser.


Solche positiven Beispiele der Integration von Behinderten in Vereinen, Verbänden und Institutionen wollen die Angehörigen behinderter Menschen im Emsland am kommenden Montag in einer Ausstellung im Berufsbildungswerk (BBW) des Christophoruswerks der Öffentlichkeit vorstellen. Die Ausstellung an der Dr.-Lindgen-Straße ist ab 18.30 Uhr zu sehen. Um 19.30 Uhr wird dort Hubert Hüppe, CDU/MdB, Behindertenbeauftragter seiner Fraktion im Bundestag, zum Thema „Leben in Würde“ sprechen.

Jürgen Pott ist 44 Jahre alt und schon seit 19 Jahren bei den Maltesern, ein Jahr länger als der 43-jährige Thomas Krieger. „Ich hab’ mal den Manfred Duisen in der Stadt getroffen und ihn gefragt, ob ich nicht vorbeikommen könnte“, berichtet Jürgen Pott von einer Begegnung mit dem Zugführer des MHD. Duisen lud den Behinderten ein. Inzwischen gehören Pott und Krieger zu den dienstältesten ehrenamtlichen Helfern beim MHD.

Alle 14 Tage, jeweils donnerstags um 19.30 Uhr, finden die Übungsabende an der Lengericher Straße statt. „Viele unterschätzen die Leistungsfähigkeit von Behinderten“, erklären Sanitäter Andreas Klünder und Schwesternhelferin Barbara Grote. Jürgen und Thomas würden beim MHD genauso gefordert wie die anderen Mitglieder und wollten dies auch so. „Sie sagen selbst, wenn es zu viel wird. Das tun die anderen aber auch“, betont Klünder.
In Sachen Erste Hilfe sind die beiden Behinderten topfit. Den Sanitätshelferlehrgang haben sie mit Erfolg bestanden. „Die beiden sind hier keine Wasserträger“, unterstreicht Sanitäter Bernhard Alberts.

Wenn die Lingener Malteser zu Einsätzen bei Großveranstaltungen gerufen werden, wie zum Beispiel in den Emslandhallen, dann sind Pott und Krieger häufig dabei. Natürlich auch wenn es ernst wird. Zum Beispiel beim Hochwasser in Haselünne vor einigen Jahren. Da war Jürgen von Samstagmittag bis Sonntagabend mit seinen MHD-Kollegen im Einsatz gegen die Flut. „Meine Uniform nehme ich jeden Tag in die Firma mit“, sagt er. Für alle Fälle.

Natürlich kommt beim MHD auch die Kameradschaft nicht zu kurz. Wenn die Übungsabende beendet sind, geht’s häufig zum Italiener um die Ecke. „Die kennen uns in der Pizzeria schon ganz gut“, lacht Jürgen Pott.

Im Laufe der Jahre sind bei den Maltesern natürlich immer wieder neue Leute hinzugekommen und andere ausgeschieden. „Neuen Mitgliedern gegenüber sind Jürgen und Thomas zunächst etwas zurückhaltend“, erzählt Barbara Grote. „Ich bin behindert, akzeptieren die mich?“ ist die unausgesprochene Frage. Eindeutig „Ja“: Die langjährige Zugehörigkeit der beiden zu den Maltesern an der Lengericher Straße ist Antwort genug.