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Nicht im Abseits stehen, sondern mitten drin
Aktionstag von Behinderten und ihren Angehörigen
Quelle: Lingener Tagespost vom 18.04.2005
Lingen (pe)

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es im Artikel 1 des Grundgesetzes. Für Angehörige behinderter Menschen bedeutet Würde auch, den Behinderten so zu achten und zu akzeptieren, wie er geboren wurde. Im Rahmen des „Europäischen Protesttages für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ laden die Eltern und Angehörigenvertretungen der emsländischen Behinderteneinrichtungen am Mittwoch, 4. Mai, vor das neue Rathaus in Lingen ein. Auch Bischof Dr. Franz-Josef Bode wird an diesem Aktionstag unter dem Motto „Leben in Würde“ teilnehmen.

Regelmäßig trafen sich in den vergangenen Wochen Vertreter des Christophoruswerks in Lingen, des St. Vitus-Werks in Meppen und des St. Lukas-Heims aus Papenburg zur Vorbereitung des Aktionstages Anfang Mai.

Von drei verschiedenen Standorten aus werden sich die Demonstrationszüge in Marsch setzen. Die Lingener werden um 10 Uhr gemeinsam mit dem Bischof vom Alten Hafen aus Richtung Rathaus ziehen, die Teilnehmer aus Meppen von der Wilhelmshöhe und die Papenburger marschieren vom Alten Pferdemarkt aus. Die Kundgebung vor dem neuen Rathaus findet gegen 11 Uhr statt.

Behindertes Leben wertschätzen heißt für die Angehörigen, dass Behinderte nicht abseits stehen dürfen, sondern mitten drin, wo es möglich ist: Zum Beispiel beim Malteser Hilfsdienst in Lingen, wo sich auch behinderte Bürger seit Jahren engagieren. „Solche positiven Beispiele der Solidarität und der Integration wollen wir in einer Ausstellung im Lingener Berufsbildungswerk (BBW) des Christophoruswerks der Öffentlichkeit vorstellen“, sagte Hermann Fehring von der Vorbereitungsgruppe im Rahmen eines Pressegesprächs in Lingen.

Die Ausstellung an der Dr. Lindgen-Straße ist am Montag, 25. April, ab 18.30 Uhr zu sehen. Um 19.30 Uhr wird dort Hubert Hüppe, CDU/MdB, Behindertenbeauftragter seiner Fraktion im Bundestag, zum Thema „Leben in Würde“ sprechen.

Während es für jüngere Behinderte in Kindergärten, Schulen, Messdienergruppen etc. viele Kontaktmöglichkeiten mit Nichtbehinderten gebe, werde dies im jugendlichen oder erwachsenen Alter zunehmend schwieriger, sagte Fehring. „Wenn sie aus den Behinderteneinrichtungen nach Hause kommen, ist häufig nur noch die Familie da“, beschrieb Agnes Elsen den Tagesablauf.

Die Angehörigen von Behinderten möchten deshalb die Veranstaltungen am 25. April und 4. Mai auch als Aufruf an Vereine, Verbände und Institutionen verstanden wissen, Schwellenängste abzubauen, auf die Behinderten zuzugehen und nach Möglichkeiten der Einbindung zu suchen. „Ganz viele haben Angst vor diesem Schritt, weil sie meinen, dass ihnen die nötige Qualifikation dazu fehlt. Dem ist aber nicht so“, unterstrich Fehring in diesem Zusammenhang.

Vereine, Verbände, Gruppen und Institutionen, die Möglichkeiten der Integration behinderter Bürger sehen oder einfach Fragen zu diesem Thema haben, können sich an folgende Kontaktpersonen im Emsland wenden:

Lingen: Agnes Elsen, Tel.: 05963/503,
Meppen: Gisela Sulmann, 05935/1796,
Papenburg: Elisabeth Pohlmann, 04961/2904.